„Mindset für die Challenge oder Herausforderungen meistern“ – unter diesem Titel hat Professor Dr. Stefan Haupt einen Beitrag für den „StiftungsManager“ verfasst, eine im Erich Schmidt Verlag erscheinende Loseblattsammlung.
Führungskräfte stehen heute vor vielfältigen Herausforderungen. Ob Vorstände, Geschäftsführer, Vorsitzende oder Mitglieder von Aufsichts- und Beratungsgremien: Sie müssen komplexe Sachverhalte erfassen, fundierte Entscheidungen treffen und Konflikte lösen. Dabei genügt es längst nicht mehr, Entscheidungen allein unter rechtlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Sie müssen ebenso legitimationsfähig, gemeinwohlorientiert und mit den jeweiligen gesellschaftlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen vereinbar sein.
Mit seinem Beitrag „Mindset für die Challenge oder Herausforderungen meistern“ widmet sich Stefan Haupt der Frage, wie Führungskräfte auch unter schwierigen und komplexen Bedingungen handlungsfähig bleiben und tragfähige Lösungen entwickeln können.
Führung ist mehr als die richtige Entscheidung
Die zunehmende Informationsfülle, die Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz erleichtern einerseits zahlreiche Arbeitsabläufe. Andererseits steigt die Zahl der Informationen, die verarbeitet, und der Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Häufig sind mehrere Herausforderungen gleichzeitig zu bewältigen.
Gerade in Stiftungen, Non-Profit-Organisationen und anderen gemeinwohlorientierten Einrichtungen kommt hinzu, dass Entscheidungen in einem komplexen Geflecht unterschiedlicher Interessen, Erwartungen und Verantwortlichkeiten getroffen werden müssen.
Haupt verdeutlicht, dass Führung deshalb mehr bedeutet als die korrekte Anwendung rechtlicher und organisatorischer Instrumente. Führungskräfte müssen Orientierung geben, Vertrauen schaffen, unterschiedliche Interessen zusammenführen und zugleich Stabilität und Veränderung ermöglichen.
Anschaulich bringt das der Vergleich mit einem Dirigenten auf den Punkt: Während Musiker ihre Instrumente spielen, führt der Dirigent das Orchester. Seine Aufgabe besteht nicht darin, jedes Instrument selbst zu beherrschen, sondern die unterschiedlichen Fähigkeiten und Beiträge zu einem überzeugenden Ganzen zusammenzuführen. Auch Führung bedeutet, das Zusammenspiel aller Beteiligten zu ermöglichen und dabei die Balance des Gesamtsystems zu wahren.
Fünf Werkzeuge und das richtige Mindset
Ein wesentlicher Schwerpunkt des Beitrags widmet sich der Frage, mit welchen Werkzeugen Führungskräfte Herausforderungen systematisch angehen können.
Der Autor stellt hierfür fünf zentrale Instrumente in den Mittelpunkt:
- Wahrnehmung: Sachverhalte möglichst umfassend erkennen und zwischen überprüfbaren Tatsachen, Meinungen und persönlichen Empfindungen unterscheiden.
- Prinzipien und Methoden: Auf bewährte Leitlinien und strukturierte Vorgehensweisen zurückgreifen, um auch komplexe Situationen zu ordnen.
- Kommunikation: Sachverhalte verständlich vermitteln, Erwartungen klären und Vertrauen schaffen.
- Verhandeln: Unterschiedliche Interessen erkennen, ausgleichen und tragfähige Vereinbarungen entwickeln.
- Künstliche Intelligenz: Neue technologische Möglichkeiten sinnvoll nutzen, ohne die eigene Urteils- und Entscheidungsfähigkeit aus der Hand zu geben.
Diese Werkzeuge bilden das praktische Rüstzeug. Sie allein reichen jedoch nicht aus. Entscheidend ist auch die innere Haltung, mit der sie eingesetzt werden. Mut, Fairness, Empathie, Intuition und Kontextsensibilität gehören deshalb ebenso zu einem erfolgreichen Führungsmindset.
Dabei gilt es, zwischen spontaner Eingebung und der auf Erfahrung beruhenden, reflektierten Intuition zu unterscheiden. Auch kognitive Verzerrungen können die Wahrnehmung und Entscheidungsfindung beeinflussen. Führungskräfte sollten sich dieser Risiken bewusst sein.
Vom komplexen Sachverhalt zur entscheidenden Frage
Ein weiterer Leitgedanke des Beitrags ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Herausforderungen verlieren häufig dann ihren lähmenden Charakter, wenn es gelingt, sie zunächst auf eine zentrale Fragestellung zu reduzieren.
Dazu muss der Sachverhalt aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Erst wenn das sogenannte „Big Picture“ erkennbar wird, lassen sich die wesentlichen Aspekte voneinander trennen, Zusammenhänge verstehen und mögliche Lösungswege entwickeln.
Ziel ist es, die Herausforderung schließlich in einer präzisen Kernfrage zusammenzufassen, die idealerweise mit Ja oder Nein beantwortet werden kann. Der Weg zu dieser Antwort erfordert allerdings häufig einen vielschichtigen Prozess der Analyse, Kommunikation und Interessenabwägung.
Gerade für Juristen ist dieser Ansatz von besonderer Bedeutung. Die juristische Arbeitsweise ist darauf ausgerichtet, Sachverhalte rechtlich einzuordnen und zu bewerten. Führung in komplexen sozialen Systemen verlangt jedoch einen weitergehenden Blick: Rechtliche Richtigkeit ist eine notwendige Voraussetzung, aber nicht automatisch gleichbedeutend mit einer tragfähigen, akzeptierten und nachhaltigen Lösung.
Ein praktischer Werkzeugkasten für Führungskräfte
Der Beitrag versteht sich als praxisorientierte Handreichung für Menschen, die Verantwortung tragen – in Stiftungen, Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen und Gremien ebenso wie im haupt- und ehrenamtlichen Bereich.
Die vorgestellten Überlegungen und Instrumente sollen dazu beitragen, Herausforderungen eigenständig zu strukturieren, Entscheidungen fundiert vorzubereiten und Konflikte konstruktiv zu bewältigen. Dabei geht es nicht darum, in jeder Disziplin selbst Experte zu sein. Vielmehr kommt es darauf an, die eigenen Stärken, aber auch eigene Grenzen zu erkennen und bei Bedarf die passende fachliche Unterstützung einzubeziehen.
Besonders im Bereich der Non-Profit-Governance stehen Führungskräfte vor der Aufgabe, unterschiedliche Interessen, Loyalität und Gemeinwohlverantwortung miteinander in Einklang zu bringen. Hier geht es nicht nur um einzelne Entscheidungen, sondern um die Gestaltung von Beziehungen und Veränderungsprozessen.
Die zentrale Botschaft lautet daher: Erfolgreiche Führung braucht beides – das richtige Handwerkszeug und das richtige Mindset. Wer Herausforderungen meistern will, muss Zusammenhänge erkennen, Perspektiven wechseln, Menschen einbeziehen und den Mut haben, tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Bibliografische Angaben:
Aktualisierungs-und Ergänzungslieferung 3/26
StiftungsManager
Recht, Organisation, Finanzen
Herausgegeben von Prof. Dr. Hans Fleisch und Anke Pätsch
Loseblattwerk, 3146 Seiten, 14,8 x 21 cm, 3 Ordner
ISBN 978-3-503-17878-0
Abbildungsnachweis: Deckblatt der Aktualisierungs-und Ergänzungslieferung 3/26 © ESV
